13. Dezember, 20:00 Uhr
ZU GAST BEI KALLENBACH - ProGohlis PRÄSENTIERTE
„Die Marquise von O“ (Heinrich von Kleist)

Ein außergewöhnliches Literaturerlebnis dargeboten von Frank Schilcher,
Schauspieler und ehemaliger Solotänzer.
Sie erleben eine der eindrucksvollsten Interpretationen der Kleistschen Novelle.

Die Marquise von O...

Die italienische Gräfin ist verwitwet, nun schwanger, nur weiß sie nicht, von wem. Die Zeit ist gegeben, sie aus dem Hause zu werfen, ihr Vater verhält sich entsprechend den gegebenen Sitten der Zeit. Ein Graf F., Retter der Marquise vor russischen Vergewaltigern, macht ihr einen Heiratsantrag, den sie zunächst verstört nur ablehnen kann. Grund dafür gibt der Graf später preis: er ist der Vater des erwarteten Kindes. Seine Hilfe für ihre Rettung vor den russischen Vergewaltigern wurde umgemünzt in reinen Eigennutz in derselben Sache. Im Schlafe (Freudsche Verdrängung ihrerseits) vergewaltigte er sie. Die Marquise durchlebt ein Wechselbad der Gefühle, die zwischen Zögern und Zustimmung oszillieren. Doch am Ende obsiegt das Herz bei der Taufe des gemeinsamen Sohnes. Neben der äußeren Handlung besticht Kleist dadurch, wie er das Ich wachsen lässt. Von vollständigem Unschuldsbewusstsein geprägt gelingt der Marquise eine Metamorphose, in dem sie sich ihrer Konvention enthäutet und die Öffentlichkeit in Kenntnis und in Auftrag setzt, den Vater ihres Kindes zu suchen. Mit erfrischendem Selbstbewusstsein ausstaffiert gewinnt sie zunehmend die Achtung einer sonst eingefahrenen Gesellschaft, die womöglich ob des nicht zu verkennenden ironischen Untertones eine Illusion sein mag.

Frank Schilcher
absolvierte eine professionelle Ballettausbildung in Berlin. Er tanzte über 20 Jahre, meist als Solist, an Theatern in Erfurt, Leipzig, Gera, Cottbus, Halle, Dortmund, Würzburg, Dresden und Berlin. Dort arbeitete er mit namhaften nationalen und internationalen Choreografen zusammen.
2006 verpflichtete Gregor Seifferth ihn als "Marquis de Sade" in seinem gleichnamigen Cross Over Spektakel für Vockerode. Hier stellte er sich wiederholt als Tänzer und Schauspieler dem Publikum vor.
Ein Jahr später erhielt er das Angebot am Thalia Theater in der Regie von Annegret Hahn in Roland Schimmelpfennigs Schauspielstück "Vorher/Nachher" mitzuwirken.
Eine weitere Herausforderung war im Oktober 2007 die Erzählung der "Marquise von O." als zweistündigen Monolog zu interpretieren.