16. Oktober, 20:00 Uhr
ZU GAST BEI KALLENBACH - ProGohlis PRÄSENTIERTE
"MICHAEL KOHLHAAS"
mit Thomas Stecher (Dresden)

"An den Ufern der Havel lebte, um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, ein Rosshändler, namens Michael Kohlhaas, Sohn eines Schulmeisters, einer der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit...

Die Welt würde sein Andenken haben segnen müssen, wenn er in einer Tugend nicht ausgeschweift hätte.

Das Rechtsgefühl aber machte ihn zum Räuber und Mörder."

Mit diesen Stellen beginnt eine der berühmtesten Novellen der Weltliteratur. Heinrich von Kleist schrieb die Geschichte von dem Rosshändler, der um seine Pferde und um sein Recht kämpft, im Jahre 1810. Aber sie könnte sich auch heute so oder ähnlich ereignen, denn sie zeichnet den Weg nach, wie Machtmissbrauch und Dünkel der Oberen und
eine ungeheure Staatsbürokratie zu gewalttätigen, terroristischen Aktionen des gedemütigten, verletzten und vergeblich um sein Recht kämpfenden Staatsbürgers führen.
Thomas Stecher erzählt in einem 90 - minütigen Monolog die Geschichte dieses berühmten Gesetzesbrechers.



Heinrich von Kleist
wurde als Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist am 18.
Oktober 1777 in Frankfurt an der Oder geboren. Sein Vater war Joachim
Friedrich v. Kleist (17281788), Kapitän im Leopold von
Braunschweigischen Regiment in Frankfurt (Major), und seine Mutter
Juliane Ulrike von Kleist, geborene v. Pannwitz (1746 1793).
1788 Am 18. Juni 1788 stirbt der Vater
1788 Besuch des Französische Gymnasium in Berlin
1792 im Alter von 15 Jahren ! - in die preußische Armee
1793 Am 3. Februar stirbt seine Mutter. Heinrich von Kleist ist
jetzt Waise und nimmt am Rheinfeldzug teil (1793-1795)
1799 gibt er die militärische Laufbahn auf.
10. April : Nach bestandener Reifeprüfung wird Kleist an
der Universität Frankfurt / Oder immatrikuliert
(philosophische Fakultät). Er studiert Physik, Mathematik,
Kulturgeschichte und Naturrecht und nimmt privaten
Lateinunterricht bei Georg Christian Immanuel Kalau.
1800 Verlobung mit Wilhelmine v. Zenge (1780-1852). Kleist
bricht sein Studium nach drei Semestern ab.
1800 durch das Studium von Kant und Fichte stürzt er in eine
tiefe Krise. Er glaubte, die Scheinhaftigkeit des
Erkenntnisvermögens zu sehen.
1801 lebte er Frankreich und in der Schweiz.
1802 unternimmt er zusammen mit (Johann) Heinrich (Daniel)
Zschokke und Ludwig Wieland eine Wanderung, auf der
die Erzählung "Der zerbrochene Krug" entstand.
1803 Verlobung von Wilhelm Traugott Krug und Wilhelmine v.
Zenge. Heinrich von Kleist ist verzweifelt. Er erkrankt
und bedarf über einige Monate einer intensiven Pflege.
1804 "Die Familie Schroffenstein", ein Schicksalsdrama, wird
in Graz uraufgeführt.
1805 Arbeit im Finanzdepartement unter Altenstein in der
Königsberger Domänenkammer.
1805 seine Schwester Ulrike wohnt bei ihm und pflegt ihn, da
er wieder krank ist.
1806 schickt er an Marie v. Kleist das Manuskript des
Lustspiels "Der zerbrochene Krug".
1807 Anfang Mai erscheint Heinrich von Kleists "Amphitryon,"
1807 Cottas "Morgenblatt für gebildete Stände" bringt die
Erzählung "Jeronimo und Josephe. "Eine Scene aus dem
Erdbeben zu Chili vom Jahr 1647"
1808 Gründung der Zeitschrift "Phöbus"
1810 Herausgabe der "Berliner Abendblätter",
Zensurmaßnahmen zwangen zur Aufgabe.
1811 21. November: Freitod gemeinsam mit der gleichaltrigen,
unheilbar kranken Henriette Vogel.