29. November 2008, 20:00 Uhr
ZU GAST BEI KALLENBACH - ProGohlis PRÄSENTIERTE
„Was soll werden, wenn ich nicht mehr bin”
Friedhelm Eberle
liest Gedichte und Prosa vom
Leipziger Schriftsteller
Helmut Richter,
der mit dem Text
“Über sieben Brücken
mußt Du gehn”
einen Welterfolg feierte.
Am Flügel begleitet von
Simone Weißenfels
Am 30.11.1933 in Freudenthal (Tschechien) als Sohn eines
Schneiders geboren, kam Helmut Richter 1945 als Vertriebener
zunächst nach Sachsen-Anhalt und dann nach Sachsen.
Seit 1950 lebt er in Leipzig. Er war Landarbeiter und
Maschinenschlosser, studierte einige Jahre Physik und arbeitete
als Prüfingenieur. Von 1961 bis 1964 war er Student am Institut für
Literatur „Johannes R.Becher“, der wichtigste Lehrer dort war
der Dichter Georg Maurer. Nach dem Studium war Richter
zunächst freiberuflich als Schriftsteller und Journalist tätig. Er
schrieb Lyrik, Dramatik und Prosa. 1980 ging er erneut an die
„Dichterschule“ zurück. Zunächst als Dozent, dann als Professor
für Prosa und von 1990 bis 1992 als Direktor. Seitdem wieder
freiberuflich.
1975 entstand die deutsch-polnische Liebesgeschichte „Über
sieben Brücken mußt du gehn“, und als sich das Fernsehen dafür
interessierte, schrieb Richter auch das Szenarium für den
gleichnamigen Film. Da der Karat-Komponist Ed Swillms für die
Filmmusik gewonnen worden war, lag es nahe, auch das Titellied zu
schreiben, das dann in dem Karat-Sänger Herbert Dreilich einen
ersten großartigen Interpreten fand. 1978 wurde der Film
gesendet, und seither ist die Strahlkraft des Liedes, erst recht
nach der Übernahme durch Peter Maffay in Ost und West
ungebrochen: Eine Zeit galt es gar als heimliche Hymne der DDR.
Für viele Menschen in Ost und West wurde es schließlich auch zu
einem Symbol der Wiedervereinigung Deutschlands. In ihm fanden
sie ihre Träume, Sehnsüchte und Wünsche wieder. Höhepunkte der
Interpretationen waren der gemeinsame Auftritt von Herbert
Dreilich und Peter Maffay und erst recht natürlich das
Zusammenwirken der beiden mit José Carreras in dessen
Leipziger Gala. Aus den vielen Übernahmen ragt zweifellos das
Duett von Xavier Naidoo und Erkan Aki heraus.
Für sein Vermächtniswerk „Ernste Gesänge“ hat sich das
Musikgenie Hans Eisler auch von Richters Gedicht „XX.Parteitag“
anregen lassen. Der Autor gründete u.a. die Kulturzeitschrift
„Leipziger Blätter“, die auch nach der Wende Kultstatus genießt.
Friedhelm Eberle absolvierte eine Schlosserlehre, ehe er privaten Schauspielunterricht in Oberhausen und Basel nahm und 1956 seinen Abschluss in Düsseldorf machte. Das erste Bühnenengagement hatte er 1957-1959 in Plauen, danach spielte er für zwei Jahre am Theater in Erfurt. Ab 1962 gehörte er schließlich dem Ensemble des Leipziger Schauspiels an. Dort entwickelte er sich während seiner Laufbahn durch zahlreiche tragende Rollen in klassischen wie zeitgenössischen Stücken zu einer Art "Leipziger Schauspiel-Original". Eberle, der seit 1965 auch als Schauspieldozent im Fach "Künstlerisches Wort" an der Theaterhochschule Leipzig (heute Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy") arbeitete und 1994 zum Professor berufen wurde, hinterlässt außerdem als Sprecher bei Musiktheater und Konzert seine Spuren. So entstanden in Zusammenarbeit mit Gewandhauskapellmeister Kurt Masur in den 80er Jahren sogar eigene Textfassungen für die musikalischen Aufführungen von "Peer Gynt" oder dem "Sommernachtstraum", mit denen er erfolgreich in den USA bzw. Großbritannien auftrat. Weiterhin veranstaltet er literarische Soloabende und agiert vielfach als Sprecher für Funk, Hörspiel und Synchron. Mehrfach wurde der sympathische Mime für seine künstlerischen Leistungen ausgezeichnet: 1973 erhielt er den Kunstpreis der Stadt Leipzig, 1989 den Nationalpreis der DDR. Neben seiner umfangreichen Bühnentätigkeit wirkte er in Fernsehproduktionen mit, wo er u.a. mit Hauptmann Reichenbach einen der Ermittler aus der populären "Polizeiruf 110"-Reihe darstellte.