© Leipziger Volkszeitung vom Montag, 30. August 2004

Schlößchen erlebt Premiere als Kulisse


Die großen Sorgen blieben am Sonnabend vor den Toren. Stattdessen wurde im Gohliser Schlößchen das Bürgerfest des Ortsteils ausgelassen gefeiert - zum ersten Mal übrigens.

"Bei uns gibt's keine typische Bierzelt-Stimmung. Durch das tolle Ambiente hebt sich unser Fest von den üblichen ab", meinte Viola Grandke. Und trotzdem war richtig was los: musikalische Führungen, ein Vortrag zu Kuriosem aus der Geschichte des Stadtteils, der Auftritt einer Jazz-Band - und das Puppentheater, das es der kleinen Sarah angetan hatte. Vergnügt hopste die Fünfjährige anschließend mit Mama Sylke Buchelt zu den barocken Klängen der "Weiße'schen Truppe" herum. "Wir kennen das Gebäude noch gar nicht von innen, obwohl wir nur ein paar Meter entfernt wohnen", gestand die junge Mutter. Das wurde umgehend nachgeholt.

Eva Koch kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus. "Früher habe ich hier im Garten mit meinen Freunden Haschen gespielt", erzählte die nunmehr 68-Jährige. Schon immer sei sie hoffnungslos romantisch gewesen und so "habe ich damals tatsächlich davon geträumt, das Schloss zu kaufen, wenn ich groß bin". Dazu kam es nie und so begnügt sich die rüstige Rentnerin mit gemütlichen Spaziergängen übers Gelände.

Gut 3000 Leute lockte die Feier an. "Wir sind zufrieden", resümierte Marco Karthe stellvertretend für die Veranstalter, den Freundeskreis Gohliser Schlößchen, den Bürgerverein Gohlis und den Verein ProGohlis. "Mit dem Fest wollten wir den Leipzigern das Schlößchen präsenter machen." Denn seine Zukunft ist ungewiss. Wie berichtet, war der Freundeskreis übergangsweise eingesprungen, nachdem die Stadt das Gebäude 2003 aus Kostengründen für die Öffentlichkeit schließen wollte. Bis zum Jahresende soll eine dauerhafte Lösung her.

Anja Landmann

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